Wie gelingt die Übergabe des eigenen Unternehmens an die nächste Generation?

„Eine Firmenübergabe ist wie ‚Betreutes Fahren’“

Unternehmensnachfolge muss kein schweres Thema sein – und erst recht nicht dazu führen, dass der Haussegen schief hängt. Ganz im Gegenteil: Martin Achatzi beschreibt auf dem TdM 2019 eindrucksvoll, wie viel Spaß es machen kann, dem Junior die Zügel zu überlassen und mitzuerleben, wie das eigene Lebenswerk fortgeführt wird.

Wie es ist, das eigene Unternehmen vom Vater zu übernehmen, weiß Martin Achatzi vom Canon Shop Achatzi aus Bad Laasphe ganz genau. 1990 startete er als Unternehmer und setzte bereits wenige Jahre später auf das Internet, um Kameras und Zubehör zu verkaufen. „Baden allein genügt nicht, man muss auch mal das Wasser wechseln“, zitiert der 56-Jährige den Politiker Paul Schnitker. Wann genau der Zeitpunkt für einen Wechsel im eigenen Unternehmen gekommen war, sei Bauchgefühl gewesen. Sohn Peter wollte unbedingt in das Familienunternehmen einsteigen und hat bei Martin Achatzi seine Ausbildung zum Fotografen absolviert. „Ich habe gemerkt, dass er verkaufen und mit den Menschen umgehen kann. Peter wurde hungriger und wollte alleine laufen.“ Zudem wollte Martin Achatzi selbst mehr Zeit für sein ‘Hobby‘ – die Politik – haben. Anfang 2017 begannen Vater und Sohn den Übergang vorzubereiten, trafen Steuerberater, Banker und einen Rechtsanwalt, der schließlich einen Vertag aufsetzte, mit dem beide zufrieden waren. „Geben Sie Zeit, lassen Sie Zeit. Und lassen Sie Raum für Fehler“, rät Martin Achatzi. Seine Philosophie vergleicht er mit dem ‘Betreuten Fahren‘ – das Steuer abgeben, aber beratend zur Seite stehen. Anderthalb Jahren nach der Übergabe sagt er: „Unser Vater-Sohn-Verhältnis ist noch viel tiefer geworden. Wir verstehen uns ohne Worte und es macht Spaß, für meinen Chef zu arbeiten.“

Authentisch, ehrlich und sympathisch zeigt Martin Achatzi, dass die Übergabe eines Unternehmens viel Freude bereiten kann. Er genießt nun ganz bewusst seine Rolle in der zweiten Reihe – und ganz besonders die Zeit, die er nun geschenkt bekommen hat.