TdM – der Kongress für den Mittelstand von

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16
Okt

Digitale oder analoge Vernetzung – was bringt mehr?

Digitalisierung ist im Mittelstand längst eine Selbstverständlichkeit, gleichzeitig wächst das Bewusstsein und Verständnis für den eigenen Markenkern und hier stehen eindeutig der Mensch sowie persönlicher Service und Beratung im Vordergrund. Das ist das Resümee der Podiumsdiskussion zum Thema „Digitale oder analoge Vernetzung – was bringt mehr?“ auf dem von ‚markt intern‘ initiierten vierten Tag des Mittelstandes. Diskutiert hatten zu diesem Thema am 13. Oktober in der Rheinterrasse in Düsseldorf Uwe Baust/Mitglied des Vorstandes der Stadtsparkasse Düsseldorf, Thomas Görner/Geschäftsführer Foto Koch, Kai Hofmann/Geschäftsführer Elektro Kai Hofmann GmbH, Carsten Schmitz/Chief Digital Officer INTERSPORT und Dr. Frank Voßloh/Geschäftsführer der Viessmann Deutschland GmbH. Geleitet und moderiert wurde die Runde von Chantal Tessmann-Wagner, Leitung Digitale Transformation, Marketing & Kommunikation ‚markt intern‘ und Dr. Frank Schweizer-Nürnberg, Chefredakteur ‚markt intern‘-Mittelstand.

Deutlich wurde im Verlauf der Diskussion: Keiner der Beteiligten empfindet digital und analog noch als Gegensatz, jeder sucht in einer Verbindung beider Welten, natürlich mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, seine unternehmerische Zukunft:

Uwe Baust/Mitglied des Vorstandes der Stadtsparkasse Düsseldorf erklärte, die Frage sei heute nicht mehr, ob man digitalisiere, sondern wann und wie weit dieser Prozess führe. Das Mindset der Mitarbeiter sei hier von entscheidender Bedeutung. Die Digitalisierung von Prozessen sei absolut notwendig, allein schon um die Kosten zu minimieren. Der Kunde sei nämlich bereit, für Beratung etwas mehr zu bezahlen, aber nicht viel mehr. Deshalb müsse die Kostenseite stimmen. Nach Bausts Voraussage tendiere die Entwicklung zu zwei Arten von Banken: Auf der einen Seite stehe künftig die reine Online-Direktbank und auf der anderen Seite die Bank mit persönlicher Beratung. Allein hier sehe sich die Sparkasse, denn nur über Beratung könne man sich am Markt von Wettbewerbern differenzieren.

Thomas Görner/Geschäftsführer Foto Koch unterscheidet für sich längst nicht mehr zwischen den Kanälen. Foto Koch solle eben ein freundlicher Fachhändler sein, egal ob online oder offline. Es dürfe heute kein Konkurrenzdenken mehr zwischen den Kanälen geben, das schärfe er seinen Mitarbeitern täglich ein. Die Verzahnung von Online und Offline sei dabei auch wegen der schwierigen Situation in der Fotobranche zunächst nicht leicht gewesen. Es gelte, den Kunden zu inspirieren. Online könne man hier teilweise mehr wagen und sich an Experimente herantrauen. Schlüssel zum Erfolg der digitalen Transformation sei es, die eigenen Mitarbeiter mitzunehmen in diesem Prozess. Foto-Koch sei stolz auf die eigene IT-Abteilung, getragen von Mitarbeitern, die man oft selbst ausgebildet habe.

Kai Hofmann/Geschäftsführer Elektro Kai Hofmann GmbH bemerkte, dass Kunden sich heute selbstverständlich online informierten, aber Geschäfte würden als Handwerker immer noch zwischen Menschen gemacht. Es sei daher ganz wichtig, den Kunden persönlich zu umwerben. Basis für den Erfolg sei hier ein über die Jahre aufgebautes persönliches Netzwerk, das stark auf Vertrauen fuße.

Carsten Schmitz/Chief Digital Officer INTERSPORT bestätigt auch für die Sportbranche den Trend dazu, sich online zu informieren, aber überwiegend offline zu kaufen. Der Kunde sei dabei nicht mehr unbedingt filialtreu, aber mit Blick auf Intersport doch meist markentreu. Deshalb gelte es, den Kunden über die Kanäle hinweg zu kennen und Nutzen und Service für den Kunden zu optimieren, egal wo er im Intersport-Kosmos kauft. Die Beratung im Sportfachhandel bleibe dabei aber elementar. Niemand möchte in Schuhen einen Marathon laufen, die er nicht zuvor im Laden auf dem Laufband getestet habe. Dabei halte die Digitalisierung natürlich auch am stationären PoS Einzug und es eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten, wie beispielweise das Testen von Kletterschuhen im virtuellen Gebirge via VR-Technologie.

Für Dr. Frank Voßloh/Geschäftsführer der Viessmann Deutschland GmbH gelte es, das Beste aus beiden Welten – Online und Offline – zu verbinden. Der Endkunde sei heute sehr gut vorinformiert, wenn er einen Handwerker anspreche. Deshalb habe sich Viessmann schon vor geraumer Zeit dazu entschieden, das Handwerk digital aufzurüsten und dem Kunden hier auf Augenhöhe zu begegnen. Das Ziel sei, analogen Mehrwert für den Menschen durch digitalen Service zu erzeugen. So sendeten Viessmann-Heizungssysteme beispielweise bei Problemen unmittelbar eine Nachricht an den Handwerker. Dieser könne dann oft noch aktiv werden, bevor der Kunde das Problem überhaupt bemerkt hätte.

Insgesamt zeigt die Diskussion, dass der Mittelstand für die kommenden Aufgaben gut gerüstet ist. Es wird nicht lamentiert, sondern gehandelt. Die Digitalisierung von Geschäftsprozessen ist eine Selbstverständlichkeit, gleichzeitig blickt der Mittelstand jedoch selbstbewusst auf das, was ihn von Amazon & Co. unterscheidet: Die direkte, auf Vertrauen basierende Beziehung zum Kunden.